Silberschmiede Thun GmbH

Yvonne Schediwy und Sara Lehmann
 


Reisetagebuch aus Australien 2019


Tag 1
„Ground control to major tom!“.... wir sind gelandet!!!
Zwar nicht auf dem Mond, aber doch am weitesten entfernt von zu Hause wies möglich ist.
Nach zwei tollen langstrecken Flügen mit Singapur Airlines und einem angenehmen Kurzstreckenflug sind wir in Broome gelandet.
Der erste Atemzug auf dem Flugfeld hat uns an ein Dampfbad erinnert - 
schwere, feuchte Luft.
Nach ein paar Minuten allerdings fiel mir das Atmen schon viel einfacher.
Als wir in der kleinen Empfangshalle schon die ersten Bilder von Frauen mit Südseeperlen geschmückt sah, war allerdings der Puls schon wieder leicht erhöht! Yes, bald besuchen wir eine Perlenfarm!


Tag 2
Der heutige Tag auf diesem Kontinent hat uns sehr verblüfft. Das Essen ist toll! Das Frühstück im Restaurant war reich und köstlich. Jede einzelne Zutat hat nach dem geschmeckt was sie ist.
Da unser Hotelzimmer über eine Küche und sogar über einen Salon verfügt, haben wir im Supermarkt eingekauft. Die Antipastis sind so toll wie bei uns aus den Feinschmeckerladen, die Früchte süss und saftig.
Francipanibäume säumen den Gehsteig, einfach traumhaft schön.

Eine ganze Strasse bietet nur Broome-Südseeperlen an. Wir sind überwältigt von der Schönheit dieser Perlen, aber auch sprachlos über die Preise dieser Preziosen.

Wir geniessen den Zustand der Nebensaison hier. Die Menschen sind äusserst freundlich und zuvorkommend.

Einzig: Crocodile Dundee ist uns heute noch nicht über den Weg gelaufen!
Good night!





Tag 3
Auch den heutigen Tag haben wir sehr gemütlich verbracht. Wir waren noch einmal in China Town und haben uns von Südseeperlen verzaubern lassen. Wir sind bei 32 Grad und 78% Luftfeuchtigkeit durch die Pampa marschiert und waren heilfroh, als wir in den runtergekühlten Supermarkt eintraten. An brennender Sonne sitzt niemand, das heisst kein Weisser. So gibt es hier durchaus ein trauriges Thema über welches wir berichten können. Die Kluft zwischen den Aborigines und den weissen Menschen ist gross. Die Nativos lungern ziellos und oftmals sturzbetrunken auf der Strasse rum und betteln. Es steht uns nicht zu zu urteilen, denn wir sind gerade mal 2 Tage hier. Und doch erkennen wir die Situation als recht verfahren. Die Weissen versuchen die Aborigines zu zivilisieren und kultivieren. Die Aborigines fühlen sich jedoch bestohlen und verdrängt, sicher zu recht. Und wenn man mit den Ausis spricht, merkt man, dass die Situation für alle schwierig und schier unlösbar ist. Es erinnert uns schwer an die nordamerikanischen Nativs die für sie bestimmten Reservate. Broome ist die einzige grössere Stadt im Umkreis von 4'000 km... ja richtig gelesen! Das grosse Nichts ausser ein paar Krokis am Strand.



Tag 4
Auf den heutigen Tag haben wir lange gewartet. Wir besuchten eine Perlenfarm.
Nicht irgend eine, sondern die Perlenfarm schlechthin! Willie creek.
Wir wurden von einem äusserst gesprächigen Chauffeur im Kleinbus abgeholt.
Da wir wirklich out of season sind, rumpelten wir mit ihm alleine ca. 1 Stunde über rote Sandstrassen die keine waren.
Vor einem kleineren Haus hielten wir an. Die grosse Inschrift “willie creek pearls“ verriet uns, dass wir am Ziel waren. Im Nirgendwo direkt am Meer staunten wir nicht schlecht, als wir auf einmal in einer top klimatisierten Bijouterie standen. Vom Wert der Schmuckstücke wollen wir jetzt gar nicht sprechen.
So erfuhren wir im Velauf des Vormittags den ganzen Werdegang der Perle. Sozusagen von der Muschel an.
Die Erkenntnis wie besonders und wertvoll eine Südseeperle ist, wie lange die Muschel gehegt und gepflegt wird, erklärt auch den zum Teil unglaublich hohen Preis. Ein Geschenk der Natur.
Um unseren neuerworbenen Schätzen einen würdigen Rahmen zu geben, machten wir Fotos am Strand.

So,und morgen gehts ab nach Adelaide und dann zu unserem zweiten Ziel Coober Pedy (Opal Mekka).


Tag 5
Nach ein paar Stunden Flug und weiteren 2,5 Stunden Zeitverschiebung warten wir nun auf den Flug nach Coober Pedy. So gibt es nichts interessantes Erlebtes zu erzählen, allerdings geschichtliches:

Die Geschichte der Perlenfischerei von Broome begann schon vor Jahrhunderten. Allerdings nur von den Aborigines. Sie verwendeten vor allem die Muschelschalen, welche sie aufwändig bemalten und als Ritual-und Körperschmuck trugen.

Als die Weissen um 1840 die Muschelfelder und die (sehr seltenen) darin verborgenen Perlen entdeckten, entstand ein Perlenboom.

Ähnlich wie beim Goldrausch zog dieser Boom zahlreiche Europäer, Asiaten und Südseeinsulaner an.
In den 1860er Jahren wurden die Aborigines als Sklaven missbraucht. Die Sterberate war enorm, so dass Massnahmen ergriffen wurden. Taucheranzüge mit Bronzehelmen.

Trotzden lag die Sterberate noch bei 50%. Wenn sie nicht ertrunken sind, wurden die Taucher von Haifischen angegriffen!

Mit dem ersten Weltkrieg und der darauffolgenden Weltwirtschaftskrise erlag das Perlen und Perlmutgeschäft. Erst in den 60er Jahren, mit dem Aufkommen des Zuchtverfahrens, entwickelte sich die „Perlenfischerei“ neu. Die Zucht von Perlen ist ein Segen.

Vor diesem kontrollierten Verfahren, wurden die Muscheln zu abertausenden aufgerissen und getötet, um allenfalls einen Zufallstreffer einer durch ein Sandkorn entstandener Perle zu erzielen!

Daher wohl der alte Mythos: “jede Perle eine Träne“.


Tag 6
Der Flug nach Coober Pedy fand wie erwartet mit einem eher kleineren Propellerflugzeug statt. Es war ziemlich laut und holprig. Bei der Ankunft schmunzelten wir beide ab der Grösse des Flughafengebäudes (Foto). Unser Gepäck mussten wir selber vom Wägeli zerren. Draussen warteten wir vergebens auf ein Taxi. Es gibt keine! Es gibt keine Busse... nichts!

 
Eine junge Frau die ebenfalls dort stand und auf ihre Cousine wartete klärte uns auf. Wir durften mit Ihnen fahren. Unser Hotel ist eine ehemalige Opalmine, welche Ende der 90er Jahre von einem Ehepaar ausgebaut wurde. Wir schlafen also Untertag! Sehr speziell. Die alten Möbel erinnern an die Kolonialzeit. Es ist kühl und angenehm.


Hier im Outback wird es gerne mal 50 Grad. Im Moment ist es kühler als normal, wir haben wohl noch eine „Schweizerrestkälte“ mitgebracht.

Der erste Eindruck: Mad Max lässt grüssen!




Tag 7
Nach einer Nacht in einem Dugout (Minenwohnung) nahmen wir an einer Minentour teil.
Zuerst besuchten wir eine alte Opalmine, welche heute den Touristen zur Ansicht zur Verfügung steht.
Damals noch von Hand und mit Kesseln ausgebuddelt, vermittelte diese Mine ein Gefühl von Einsiedlerdasein und Eigenbrötlerei: vom Opalfieber besessen.
Und tatsächlich gibt es hier Menschen die für drei Monate kamen und nun seit 45 Jahren da sind.
Jeder Australier oder Ausländer mit Aufenthaltsbewilligung kann irgendwo wo noch kein Anderer ist 2 Wochen buddeln und Löcher bohren und dann für 75 Dollar im Jahr eine Bewilligung lösen und sein Land abstecken.
Wenn er nach 30 Jahren genug hat und geht, kann ein Nachfolger in seiner Mine weitergraben. Macht dieser einen Millionenfund gehört alles ihm. Daher das Opalfieber, denn jeder denkt “nur noch ein Pickelhieb!“.

Danach führte uns eine staubaufwirbelnde Fahrt, die zirka eine Stunde durch das rote „Nichts„ führte, zu einer Landschaft von tausenden von kleinen Hügeln.
Nebenzu ca. 2 Millionen Löcher, welche natürlich nicht gesichert sind und wahrscheinlich zum Teil 50 Meter tief in die Erde führen.
Eindrücklich und gleichzeitig auch beschämend, denn dieses Gebiet wurde von Menschenhand in einem anderen Sinn in ein äusserst gefährliches und unwegsames „Minenfeld“ umgewandelt!
Coober pedy heisst übrigens in der Sprache der Aborigines „weisser Mann im Loch“.

Am Ende des Tages begaben wir uns noch zu Fuss auf eine kleine Steinwüste auf welcher jeder buddeln darf und sein Glück versuchen kann.
Wir erhaschten beide kleine Steine in denen wir Opaleinschlüsse zu erkennen glauben.
Wir freuen uns schon jetzt aufs Schleifen!


Tag 8
Der letzte Morgen bevor es wieder zurück in die „Zivilisation“ ging, verbrachten wir noch einmal in diesem langgezogenen, schier ausgestorbenen Städtchen.
Der Staub, die Geräusche vom Wind, die Leere und die Hitze in der einzigen Strasse die das Zentrum ausmachte, erinnerte stark an den Film „Spiel mir das Lied vom Tod“.


In einem unscheinbaren, flachen Gebäude befand sich eine Galerie mit Werken von regionalen Künstlern.(Aborigines) 
Beim Eintreten in diese Galerie wurden wir von einem hopsenden Babykänguru in Empfang genommen. Wir schmolzen augenblicklich dahin, so niedlich!!
Die Galerie war gleichzeitig ein Känguru Waisenhaus.

Nachdem wir noch ein paar schöne Opale erstanden, brachte uns die liebenswerte Hotelbesitzerin zum Flughafen. Bye bye Coober Pedy, hello Adelaide.


Tag 9 
Besuch in Hahndorf. Wie der Name dieser Ortschaft schon verrät, handelt es sich um eine deutsche Kolonialstadt. Die erste deutsche Siedlung Australiens, 1839 gegründet von verfolgten Lutheranern.
Alles einstöckige Häuser und nur eine Strassenzeile die das Zentrum ausmacht. Ein Restaurant nach dem anderen abwechselnd mit Souvenirläden, umgeben von Mangroven und wunderschönen Blumen.

Unser Hunger führte uns alsdann in ein Restaurant mit dem Namen „German arms“. Ein wunderschönes Haus aus der Gründerzeit mit tollen Schnitzereien. Die Inneneinrichtung war nicht aussergewöhnlich, jedoch die männliche Bedienung. Diese versetze uns in die frühen vierziger Jahre zurück. Mit Schnäutzchen und schwungvoll zur Seite gekämmtem, hellblondem Haar und Undercut. Weisses Leinenhemd und kaki Hose, fehlte nur der Hut!

Der Wein schmeckt hier vorzüglich. Adelaide Hills ist ein top Weingebiet.


Tag 10
Heute Morgen verliessen wir in aller Herrgottsfrühe unser umwerfend schönes Domizil in Adelaide, um die Fähre nach Kangaroo Island zu erreichen. Links fahren ist easy, der Scheibenwischer wurde allerdings etliche Male anstelle des Blinkers betätigt. Dies gilt in Australien aber als Touristenerkennungsmerkmal.


Auf Kangaroo Island angekommen gönnten wir uns als Erstes ein wunderbares Apéroplättchen mit fantastischem Weisswein und Prosecco vom regionalen Weingut Duddley. 
Auf der Fahrt in die Inselmitte sahen wir sehr viele tote Kängurus und andere Tiere am Strassenrand. Alle von Autos oder Trucks erwischt.
Unser Hotel befindet sich in der Mitte eines „verschlafenen Nestes“ namens Parndana. Es Erinnerte uns wiederum an einen Western. Eine alte Tanksäule, uralte metallene Postfächer und ein einziges Restaurant mit einer Bar, dessen Charme mit einem Wartsaal zu vergleichen ist!


Tag 11
Kangaroo Island - der Name dieser Insel verspricht nicht zu viel! Überall sind ganze Herden von Kängurus zu sehen, die gemütlich auf den Wiese rumliegen oder unter den Bäumen stehen und sich an Blättern den Bauch vollschlagen.
In einem Naturpark freuten wir uns riesig über die putzigen Koalas, Wallabys und natürlich Kängurus.
Auf dem Rückweg hielten wir an einem wilden Strand. Dieser lud aber nicht zum verweilen ein. Auf einmal entdeckten wir ein kleines Schild mit einem Pfeil. Das Schild zeigte auf einen Felsen mit einer kleinen Lücke. Ein verborgener Pfad, der durch die Felsen führte, offenbarte nach ca. 50 Metern einen Traumstrand!



Tag 12
Heute verliessen wir Kangaroo Island und unser eigentlicher Roadtripp begann. Nach ca. 3 Stunden Fahrt mit äusserst wenig Verkehr besuchten wir das kleine Städtchen Meningie. Dort fanden wir eine Tafel mit folgender Legende: Ende des 19. Jahrhunderts trieb ein kleiner Mann sein Unwesen in dieser Gegend.
Als „Früchen“ in Irland geboren erreichte er als erwachsener Mann gerade mal die Grösse eines sieben Jährigen. Er war ein Einbrecher und Räuber. Dank seines schmächtigen Körpers gelang er ohne Probleme durch den Kamin in die Häuser. Er schaffte es nach Australien auszuwandern und lebte hier das Leben eines Gesetzlosen. John Peggotty war zu klein um auf ein Pferd zu steigen also klaute er auf einer Farm einen Strauss. Er war extrem schnell mit seinem Reittier. Er überfiel Schmuckgeschäfte, verkaufte jedoch seine Trophäen nicht,sondern war über und überbehängt von Goldketten. Ein Fischer, der sich nicht ausrauben liess schoss auf ihn. Der Birdman verschwand schwerverletzt in den Büschen. Sein Leichnam wurde jedoch nie gefunden und der Goldschatz auch nicht.




Tag 13
In dem kleinen, äusserst charmanten Städtchen namens Robe angekommen, wurden wir wiederum durch die Schönheit unseres Domizils überrascht! Zum Glück sind wir in der Nebensaison unterwegs, denn während der Touristenzeit sind es dann nicht mehr 2'000 sondern 20'000 Menschen.
Auf unserer morgendlichen Entdeckungstour entdeckten wir eine ganz kleine Bucht. Uns viel auf, dass dort etwas anderes am Strand lag als Muscheln. Es waren abertausende von verwaschenen Scherben die im Sand lagen und einen besonderen Anblick boten. Natürlich sammelten wir eine Hand voll dieser bunten Scherben ein, denn die Inspiration daraus Schmuck zu kreieren erfasste uns augenblicklich! Fasziniert und voller Freude dieser Idee, trafen wir wenig später tatsächlich auf ein Schmuckgeschäft, welches diese Idee bereits realisiert hat.
Nach einem herzlichen Gespräch mit der Besitzerin verliessen wir die Bijouterie. Sie erzählte uns, dass vor sehr langer Zeit sämtliches Glas dort entsorgt wurde. Doch das Meer bringt alles zurück. Danach setzten wir uns zufrieden in ein gemütliches Restaurant und genehmigten uns wiederum ein Gläschen aus den Weingütern der Umgebung.




Tag 14/15
Nach zwei Tagen ohne WLAN sind wir nun wieder einmal mit der Aussenwelt verbunden. Vom charmanten Städtchen Robe fuhren wir los Richtung Bundesstaat Viktoria, der wieder in einer anderen Zeitzone liegt. Diesmal beträgt der Zeitunterschied nur eine halbe Stunde.
Unser nächstes Ziel, der Mount Cambier, ist ein Vulkan in dessen Krater sich ein Wasserreservoir befindet. Der “Blausee“ von Australien. Ein eindrücklicher Anblick, welcher so nur in den Sommermonaten zu sehen ist.

Gestern wanderten wir an den Klippen von Cap Nelson (Portland) umher. Der Wind war allerdings so stark, dass wir umkehren mussten. So entschieden wir uns für den Pfad durch den verwunschenen Wald genannt „Enchanted Forest“. Der Wald sah wirklich unreal und märchenhaft aus. Endlich sahen wir dort eines dieser gefürchteten Wildtiere: eine Schlange. Zuvor sahen wir nebst den putzigen Säugetierchen höchstens mal eine Fliege.



Tag 16/17
Die letzten zwei Tage fuhren wir auf der Great Ocean Road über Portland in Richtung Melbourne. Es boten sich uns fantastische Naturspektakel. Der wilde Ozean, die zwölf Apostel und the Grotto.
Morgen werden wir noch die Goldgräberstadt Ballarat besuchen und dann unseren letzten Bericht verfassen.

Ab nächsten Dienstag sind wir wieder zu Hause. Reicher an Perlen, Opalen, Sea Glass und wunderschönen Eindrücken von diesem vielseitigen Kontinent!


Tag 18
Wie geplant fuhren wir heute nach Ballarat und besuchten ein ehemaliges Goldgräberstädtchen.
Es erinnerte uns stark an das Freilichtmuseum Ballenberg. Nachgebaute Häuserzeilen, alte Werkstätten, Kolonialwarenlädeli und Kleidergeschäfte liessen uns durch eine längst vergangene Zeit schwelgen.
Natürlich war da auch ein Bach und bergeweise Geröll. Tiefe Gruben und Schächte mit Seilwinden und Kesseln.


Auch wir konnten dem Drang nicht widerstehen und griffen zur Schaufel und zum Goldwaschbecken. Und siehe da, wir fanden tatsächlich einige mini Flakes und wurden sofort von schaulustigen Asiaten umringt. 
Genau da entstand dieses Gefühl von „ich will nochmal!“ und wir konnten uns in diesen Goldrausch hineinversetzten.
Des weiteren sahen wir in einem geschlossenen Raum mit vielen Zuschauern einem Goldgiesser zu.
Nach der Vorführung wechselten wir mit ihm ein paar Worte. Ich stellte ihm eine etwas fachkundigere Frage und sofort öffnete er für uns noch einmal die verschlossene Türe, nahm aus dem Tresor den Goldbarren hervor und reichte ihn uns. Wir erstanden uns ein paar Nuggets und haben nun die vierte Komponente für unsere Australien -Kollektion.

Unsere Austellung wird voraussichtlich Ende August stattfinden. Diesmal noch in einem etwas grösseren Rahmen, denn die Silberschmiede feiert dieses Jahr ihr 25 jähriges Bestehen.
Wer gerne eine persönliche Einladung wünscht und noch nicht in unserer Kartei ist, bitte melden.


We hope to see you soon!






 Reisetagebuch aus Brasilien 2017


Back to the roots





Tag 1


Auch wenn man es genau weiss und sich schon zum Voraus damit auseinandersetzt,

dass ein Ort nach nahezu 30 Jahren anders aussieht, 

so ist es trotzdem ein kleiner Schock!

So bin ich nun an den Ort zurückgekehrt, an dem ich in jungen Jahren fast 3 Jahre gelebt habe. Ein ganzes Jahr davon ohne Schuhe, nicht einmal Flip Flops! Da war ich immer ein wenig stolz darauf. Füsse wie eine Indianerin. Immer noch schlängeln sich junge Hippies und Artesanos mit ihren Schmuckkästen- und Kartons durch die sonnenbadenden Touristen und bieten ihre Kunsthandwerke feil. Meist aus Leder, Knochen und Bambus und sofort befinde ich mich auf der Zeitreise, als ich damals das gleiche tat. Vor meinem inneren Auge entstehen bereits die ersten Formen und Kreationen doch das Skizzenbuch kam heute noch nicht zum Zuge.

Heute war nur Eindrücke wahrnehmen angesagt.







Tag 2


Heute Sonntag, verbrachte ich den Tag am Strand.
Um aus der Touristenzone hinauszukommen, musste ich schon ein rechtes Stück hinter mich bringen . Verwöhnt durch den zauberhaften Anblick des schier unendlich langen Strandes, 
merkte ich gar nicht wie schnell die Zeit verging. So traf ich auf einmal auf ein Süsswasserseelein, ca 30 cm tief und lauwarm. Darin sassen ganze Familiensippen dunkler Bahianer, lachend  und plantschend, essend, trinkend und spielend. Einfach wunderbar! Sonntag gehört der Familie, hier ist das immer noch so.

Zu meinem Glück fand ich auf dem Rückweg dann auch eine Strandbar, 

die authentisches Essen anbot. Endlich!
Denn Pommes und Pizza kann ich auch zu hause essen. 
Zwar knabberte ich am Vormittag bereits an einem Maiskolben, auch sehr typisch, 

doch diese Speise war ein Genuss:

Aipim (Mandioca), Carne do sol (gesalzenes, luftgetrocknetes und gekochtes Rindfleisch) mit hausgemachter Molho Paste


 








Tag 3


Die Fahrt ins Blaue!
Heute morgen "zu früher Stunde" habe ich mich entschlossen, einen Besuch in Trancoso zu machen, ein Nachbardorf das ca. 27 km entfernt ist.
Also suchte ich einen dieser Kleinbusse auf. Er war schon zu dreiviertel besetzt und nach ca. 10 Minuten war er voll und so begann die abenteuerliche Fahrt.
Schon nach einigen Minuten wankten alle Insassen gleichmässig hin und her und ich überlegte mir unverzüglich, ob wohl des Chauffeurs grösster Wunsch einmal " Paris-Dakar" zu fahren wäre.

Plötzlich hielt er an, mitten auf der Strasse, stieg aus und schlenderte in einer Ruhe über die Strasse und kaufte sich ein Wasser bei einem Straßenhändler aber nicht ohne noch einen "Schwatz " abzuhalten , versteht sich. Dann gings aber zackig weiter.
Waghalsige Überholmanöver, die mich an Clint Eastwood Filme aus den Siebzigern 

erinnerten und ich ertappte mich, wie ich mit aufgerissenen Augen meine Finger in die Kopflehne des Vordersitzes krallte, allerdings als einzige. Die Brasis führten pausenlos angeregte Gespräche oder guckten (bei aller Romantik) 

gebannt auf ihr Handy. Danach entspannte ich mich eine Zeit lang am Strand, 

begann meine Ideen zu zeichnen und marschierte dann stundenlang am Strand entlang wieder zurück.




 






Tag 4


Nossa Senhora

Als ich das Bad meines äusserst einfachen aber gemütlichen Domizils betrat, sah ich als erstes einen Kleber auf der Duschtrennwand: Die Mutter Gottes.
Ohh... hm... auf der Duschtrennwand? Wieso eigentlich auf der Duschtrennwand?
Als dann allerdings mein Blick nach oben wanderte, wusste ich sofort wieso.
Ein Stromkabel ist direkt oberhalb des Duschkopfes eingesteckt um Warmwasser zu erzeugen!
Und so konnte ich mir einen Seufzer mit den Worten "madre de deus" nicht verkneifen.









Tag  5


Auf dem Platz mitten im Dorf sind die Hippies, aber die echten!
Mit Babys und Hunden, mit Dreadlocks und Sandalen.
Tücher mit handgemachtem Schmuck, Haschpfeifen, Räucherstäbchenhalter, geknüpfte Armbänder und solche Sachen sind auf dem Boden ausgebreitet und ja,

wenn ich ehrlich bin, nicht viel neues.
Sie übernachten auf dem Boden, ohne Matten oder Kissen, nur ein paar Tücher zum zudecken.
Für mich schon damals undenkbar. Zwar schlief ich monatelang in einer Hängematte, aber eine Dusche und eine Toilette war für mich immer ein Muss!
So hörte ich auf einmal Musik. Sie musizierten, aber irgendetwas hörte sich komisch an... 

Was zum "Geier" sind das für komische Töne zwischendurch!? 

Dann sah ich den Hund der mittendrin stand und lauthals mitbellte!








Tag 6


Ausflug nach Caraiva

Die Reise, eine Gruppenreise, begann mit einem Kleinbus, der mich um halb neun Uhr morgens abholte. Nach ca. 2 stündiger Fahrt über die staub aufwirbelnde Sandstrasse, überquerten wir mit einem Ruderboot den Fluss um an diesen malerischen Ort zu gelangen.
Keine Autos und kein Lärm, nur Strand und Meer und gemütliche Strandbars.
Kinder und Frauen sehr indigener Herkunft verkaufen ihre Ketten aus Kernen und Samen.
Ich erinnerte mich, das man mir damals Anfang der 90ger sagte, dass hier kein Geld erwünscht sei, sondern Reis und Bohnen (Tauschhandel). Leider ist das heute natürlich nicht mehr so.
Es war ein inspirativer, wunderschöner Tag.









Tag 7


Heute begegnete ich am Strand einem Artesano, der aus Knochen Schmuck macht. Es sieht Elfenbein in Farbe und Konsistenz sehr ähnlich. Nach einem Wortwechsel lud er mich kurzerhand zu sich nach Hause ein, um sein "perfekt" eingerichtetes Atelier zu besichtigen.
So traf ich mich mit ihm und fuhr dann als Sozius auf seinem Töff mit. In seinem Häuschen das mitten in der Pampa stand, empfing mich bereits seine Frau mit offenen Armen.
Sie erledigte gerade den Freiluftabwasch und ich fühlte mich endlich richtig heimisch.
Im Fundus des Grundstücks erspähte ich einen Unterstand und meine Vermutung bewahrheitete sich wenige Augenblicke später. Das einfachste Atelier überhaupt!
Ich freute mich einmal mehr über die Einfachheit der Einrichtung und erstand für die neue Kollektion einige vor verarbeitete Knochenstücke - gereinigt und weiss.
In meinem Kopf wirbeln Schmuckstücke aus mattem silber mit hochpoliertem Knochen 

und hellblauem Aquamarin (edel und facettiert) herum.

Dann spazierte ich ca. eine Stunde über Sandstrassen gesäumt von pflanzen und Palmen zurück.








Tag 8

Capoeira
Heute Abend auf dem Platz in der Mitte des Dorfes, war auf einmal kein Durchkommen mehr. Also stand ich auf eine Mauer und erspähte so den Grund der Ansammlung. Eine Capoeira-Darbietung.
Der Mestre persönlich, derjenige der Capoeira in die ganze Welt gebracht hat mit seinen Schülern. Wow und er sieht doch immer noch genau gleich aus, mit Ausnahme von ein paar grauen Strähnen.
So drängelte ich mich nach vorne und konnte gerade noch eine kurze Sequenz dieses " Befreiungstanzes" aufnehmen. Kurz darauf beschloss ich mir endlich ein langersehntes Birimbao zu kaufen und übte den ganzen weg, bis ich in meiner Pousada angekommen bin.















Tag 9


Die Kirche und ihre heilige Quelle 

Bei meinem abendlichen Spaziergang, welcher immer zur Kirche führt, durfte ich eine aussergewöhnliche Situation miterleben. Schon beim Dorfplatz habe ich bereits eine Stimme wahrgenommen, ein leiser Singsang, der mit jedem Schritt mit dem ich mich näherte lauter wurde.

Die Sonntagsmesse.Die Kirche war bis auf den letzten Platz besetzt und eine grosse Ansammlung von Menschen sassen auf Stühlen und Bänken vor der Kirche.

Aus einem Megafon erklang die Stimme des Pfarrers.

So setzte auch ich mich auf ein Mäuerchen und lauschte der sanften Stimme des padres.

Es heisst, dass die Kirche im Jahre 1549 durch Jesuiten erbaut wurde.

Der damalige Padre bat für gutes Wasser und so entsprang direkt unter der Kirche eine

Quelle. Sie gilt als heilig und das Wasser ist gut.

Ich erinnnerte mich, dass früher oftmals das ganze Dorf ohne Wasser war und 

die Menschen mit Kübeln und Becken zur  ''Santa" runter gingen um diese mit Wasser zu füllen.

 





Tag 10


Vor genau 517 Jahren betraten die ersten Portugiesen das Land und zwar hier, in Santa Cruz da Cabrália, ganz in der Nähe von Porto Seguro (der sichere Hafen).

Sie trafen auf kleine, dunkle Menschen. Ihr Haar ist schwarz und meistens glatt, ohne Bartwuchs und mit spärlicher Körperbehaarung. Bis zum heutigen Tage gibt es Sippen, die nach ihren alten Regeln und Lebensgewohnheiten leben. Diese leben in einer Art Reservat, welches als "Centro Cultural Indigena" benannt ist.

Ich war heute dort und habe, zusammen mit einer anderen Familie, einem jungen Mann zugehört. So muss ein Jüngling, der ein Mädchen heiraten möchte, einen Baumstamm mit demselben Gewicht wie das der Braut hochheben und 200 Meter damit rennen. Er darf nicht stoppen und er darf ihn auch nicht fallen lassen, sonst ist nix mit Heiraten!

Denn im Fall eines Kampfes, muss er zuerst seine Frau in Sicherheit bringen und dann erst sein Land verteidigen.








Tag 11


Nach wiederum einem dreistündigen "walk on the beach" und nach ein paar Stunden im Liegestuhl im Schatten liegen, suchte ich einen Kleinbuss auf, der mich von Trancoso nach Arrajal d' Ajuda zurückbringen sollte.

Alles wunderbar, aber nachdem ich mir ein Plätzchen am Fenster ergattern konnte, sah ich bereits im Augenwinkel den sturzbetrunkenen Nativo, der wankend und grölend auf die offene Schiebetür zukam! Ich verdrehte innerlich die Augen und ein leises "nein bitte nicht" entwischte meinen Lippen. Und Juhu, der übel nach Pinga (Cachaça) riechende Mann fläzte sich neben mich auf den Sitz! Ich sass ja neben dem Fenster und so atmete ich vorzugsweise den frisch aufgewirbelten Staub ein. Die Fahrt war rasant und ich habe mich alles in allem trotzdem amüsiert. 







Tag 12


Kolonialwarenladen

Ja, es gibt sie noch, aber natürlich nicht im Touristengebiet, dort sind es Supermercados.

Beim Morgenspaziergang, der mich über Umwege zur Bank führen sollte, bog ich in eine kleine, etwas schmutzige Einbahnstrasse ab.

Da sehe ich schon von weitem Fleischseiten hängen und so schöne bunte "Säckli"!

Nebst Eier und Pommes-Chips, sind Nüsse und Nähnadeln zu finden.

Diese "Säckli" zogen mich magisch an, mmmh frische Gewürze!

Safran, frischer Pfeffer, Paprika und vor allem Coloral.

 Coloral, ein feines rötliches Pulver, welches man für Fleischgerichte oder Saucen verwendet.

Es verleiht dem Essen eine schöne Farbe und ist natürlich und geschmackslos.

          

Also bin ich wenig später mit einem Beutel voller Beutelchen und einem breiten Lächeln im Gesicht davongetrottet. 







Tag 13


Heute ein paar "Müschterli"

Müschterli Nr. 1

Ganz anders als in der Schweiz, liebe ich hier die öffentlichen Verkehrsmittel, sprich den "Onibus". Die Rumpelkisten holpern mit überhöhter Geschwindigkeit über die Löcher in der Strasse, die Fenster alle weit geöffnet und der Gast in der hintersten Reihe der dem Fahrer zuruft, dass die Tür noch offen ist und der nur antwortet: ,,Dann mach sie doch zu!".

Dann sind da zwei Angestellte, beide Tip Top bekleidet mit Krawatten und sogar mit Krawattennadeln und das bei gefühlten 40grad.

Der eine kommt vorbei und schreibt handgeschriebene Tickets und der andere folgt ihm nur Minuten später um sie zu kontrollieren und dick durchzustreichen.

Einfach göttlich!

        

"Müschterli" Nr. 2

Heute habe ich mich entschieden schön Essen zu gehen. Also wählte ich ein Restaurant, welches meinem Gusto entsprach.

Die Garcons tanzten um mich herum, denn ich war die Erste und auch lange die Einzige im Lokal.

So konnte ich die Lust auf ein Gläschen Rotwein nicht länger unterdrücken und freute mich, dass sie tatsächlich Wein anboten. Einen Chilenen sogar. Mmmh, endlich ein Glas Wein. Voller Stolz stellte er mir ein Glas eisgekühlten Rotwein hin und lächelte und mit einem Lächeln meinerseits bat ich ihn höflichst, er möge doch die drei Eiswürfel daraus entfernen.

Brazi, sie dürfen das! 






Tag 14


Allegria

(Was so viel heisst wie Lebensfreude)

Ja, diese ist hier nicht schwierig zu finden. Es wird musiziert, getanzt und gefeiert.

Bahia ist bunt und fröhlich und so ist mir auf einmal ganz klar geworden, dass es eine bunte Kollektion geben wird mit vielen verschiedenfarbigen Steinen: Aquamarine, Turmaline, Rosenquarze und Topaze.

Aber auch zarte Farbkombinationen in Pastell und Sandweiss (Knochen) 

werden in Kombination verarbeitet. In ein paar Stunden fliege ich nach Minas Gerais, 

dort wo die meisten Edelsteinminen sind.

      

Ich hoffe sehr auf Trouvaillen! 






Tag 15


Ouro Preto

Minas Gerais

Mitten in den Hügeln, die fast ein bisschen ans Emmental mit Palmen erinnern, ist das in Worten kaum fassbar schöne Städtchen Ouro Preto!

Es ist wie eine Zeitreise in die Kolonialzeit und übertrifft jegliche Erwartungen!

Bemerkenswert ist die Menge der barocken Kirchen, acht an der Zahl, reich und schön.

Die Häuser sind unverändert aus der Zeit und 5 Meter hohe Räume sind hier nichts Besonderes.

Jedes Trottoir ist entweder aus Marmor oder sonst aus einem wertvollen Stein. 

Die Möbel und die Inneneinrichtungen sind effektiv ebenfalls oft noch aus der Zeit der Kolonialmacht Portugal.

Morgen werde ich Fotos machen um etwas von diesem Anblick mit euch zu teilen!

         

Mein grösstes Glück: Direkt vor meinem wunderschönen Hotel findet ein kleiner Markt statt und so traf ich nach kurzer Zeit auf einen alten Mann, welcher mir sehr vertrauenswürdig erschien. Ich kaufte Steine, die mein Herz höher schlagen lassen! 




Tag 16


Beim Erkundungsgang durch dieses einzigartige Städtchen wurde ich durch ein Gewitter überrascht. Da die Häuser nur einen kleinen Vorsprung oder gar keinen haben, drückte ich mich an eine Fassade. Es schüttete binnen Sekunden wie aus Kübeln!

Da öffnete sich auf der gegenüberliegenden Strassenseite eine Tür. Ein älterer Mann mit einem Kleinkind auf dem Arm erschien und öffnete seinen Schirm. Er holte mich kurzerhand ab und lud mich in sein Haus ein. Seine frau lachte mich an.
Sie machte Kaffee und wir setzten uns aufs Sofa. Ich lobte und rühmte ihr Daheim, so dass ich daraufhin eine Führung durchs ganze haus erhielt. Manchmal liebe ich den regen.

Danach besuchte ich das Mineralienmuseum. Ich war so beeindruckt von den Prachtexemplaren, dass ich mehrere Male Tränen in den Augen hatte.
Leider herrschte ein Fotografie verbot, sonst würde ich diese Anblicke gerne mit euch teilen.

Welche Wunder unsere Natur doch bietet!

P.s. das Fotoverbot gilt auch für Kirchen, wobei ich es dort für gut und respektvoll halte.







Tag 17


Die erste Mine die ich besuchte war klein und es war für mich als Klaustrophob nicht ganz einfach durch die mannshohe Höhle zu gehen, welche vielleicht 60 cm breit war.

Mit Helm gewappnet lief ich dem jungen Führer hinter her und liess mir die ganze Geschichte von Portugal und von den Sklaven erzählen.

Die zweite Mine war gross. Ein Wägeli, dass mich unweigerlich an Indiana Jones erinnerte, sollte mich nun in die Tiefe bringen!

Der Antrieb der Bahn faszinierte mich. Die Maschine rumpelt seit den 1880er Jahren und macht nach wie vor ihren Job.

Also stieg ich auf das Wägeli und liess mich in die tiefe führen. Es hat mir spass gemacht!

 

Ein ganzes System von Höhlen, welche früher von Mariano bis Ouro Preto reichten, wurde nun durch eine junge Führerin erklärt. Danach lud mich mein Guide, den ich für diesen Ausflug gebucht hatte, kurzerhand ein seine Tante und den Onkel kennen zu lernen. Da war dann noch die zweite Tante und noch eine Tochter, ein Sohn und noch ein Cousin. Und es wurde gespiesen und mir wurden lauter leckere Spezialitäten vorgesetzt. Was für eine Gastfreundschaft!





           

 

 





Tag 18


Der letzte Tag

Heute hat es immer wieder geregnet und so habe ich meinen Tag in Museen und Ateliers verbracht.

Der Kunstmaler Paulo Valadares hat mich wie eine alte Vertraute begrüsst und als ich ihm sagte, dass ich Schweizerin bin, blühte sein Gesicht auf. Er habe vor über 40 Jahren sein erstes Bild an einen Schweizer verkauft. Der Anblick, wie er mit seiner Farbpalette und seinem Béret am grossen offenen Fenster sass und an einem Bild spachtelte, war ebenfalls wie ein Gemälde!

Seine Version vom Abendmahl fand ich äusserst gelungen, denn er hat sich und auch seine Frau, seinen Hund und seine Katze mit ins Bild geschmuggelt.

      

Morgen reise ich heim, mit wunderschönen Steinen, mit tausend Erlebnissen und Inspirationen für eine bunte Brasil-Kollektion.
























Reisetagebuch Bahamas und Tahiti

Februar 2016



 

Vorwort


Werte Kundschaft,
Die erste Woche meiner Reise verbringe ich auf Exuma, 

eine kleine Insel auf den Bahamas.
Nur Sonne, Strand und Meer.

Ein paar Exkursionen und Schnorcheleinsätze
um ein strenges Geschäftsjahr, ( 51 Wochen nonstop)
und ein emotional bewegtes Jahr ausklingen zu lassen .
Samstag den 5. Februar werde ich auf Mo`orea ( Tahiti) ankommen

und dann meine Erlebnisse und Trouvaillen ( Perlen) mit euch teilen...




 

 

Tag 7


Und jetzt heissts Abschied nehme von dieser wunderbaren Insel

mit dem Wasser so klar und hell wie ein Pool,

den liebenswürdigen und hilfsbereiten Inselbewohnern...

mit unfassbar schöner Natur und nicht zuletzt

mit schwimmenden Schweinen
Nun gehts los nach Tahiti
Vor mir liegen nun 16 Std Flugzeit




Tahiti

 


 

Tag 1
Ankunft auf Tahiti
Nach einem zwar reibungslosen, aber doch sehr ermüdenden Flug,

setze ich nun meinen Fuss zum ersten Mal auf diese Insel.
Glücklich aber müde wird mir bewusst, dass ein lang gehegter

Traum nun Wirklichkeit wird.

Ich bin an dem Ort, welcher meiner geliebten schwarzen Perle den Namen gibt!


 


Tag 2

 

Schon morgens um halb Sechs ist es ca 25 Grad.

Exotische Töne von Vögel geleiten einem in den Tag
Am Strassenrand im kleinen Städtchen oder Weiler steht ein Insulaner mit einem kleinen Tisch und mein Herz macht bereits die ersten Luftsprünge
Tahiti-Mabeperlen ( Ich habe bisher nur Süsswasser Mabes gekannt),
wechseln nach einem herzlichen Gespräch den Besitzer und sind nun in meiner Obhut.
Und schon zeichnen meine Hände meine Gedanken
Und sofort verbinde ich die Rohmaterialien aus Allerwelt:

Die Mabeperle als Zentrum Tahitis.
Die Muschelteile als rosa Farbkontrast von den Bahamas verbunden mit Bambus

aus Brasilien und Leder aus Griechenland.
Süsswasserperlen aus China gearbeitet in Silber und in der Länge verstellbar.

Der Name dieses Schmuckstück wäre sodann auch schon klar:
" The World is one"




Tag 3

 

Ein Besuch im Perlenmuseum war sehr aufschlussreich..
Robert Wan, der Gründer des Museums, ist der Perlenkönig von Tahiti.

Er ist reich, seehr reich!
Er hat sozusagen eine Tellerwäscher / Millionärskarriere gemacht.
Die grösste Perle ist 22,92 mm und natürlich in seinem Besitz.










 

Tag 4
Ia Orana
Mit diesen wohlklingenden Lauten und einem liebevollen Lächeln, wird man hier begrüsst.
In der Hauptstadt Pape'ete sind überall kleine Lädeli, welche schwarze Perlen in verschiedensten Formen, Farben und Qualitäten anbieten und auch die Preise sind höchst unterschiedlich!

So habe ich bereits ein paar wunderschöne , tropfenförmige , mit schönem Lüster und mit atemberaubendem Orient ( tiefblick) erstanden.

In einer offenen Bude ( Atelier) sortieren und montieren 2 einheimische Männer gerade Perlen und zeigen mir wohlwollend ihre Technik.
Und da erkenne ich mit Freude, dass ich mit genau so einfachem Werkzeug, wie sie es tun, arbeite.




 

Tag 5
Hier eine kleine Anekdote weit ab von Perlen!


" Häuptlinge und Volk..Männer, Weiber und Kinder, wie sie mit Freudengeschrei zum Feste gebratene Menschen, nicht einen oder zwei, gar fünfzig oder hundert auf den Platz bringen und sie auffressen!
Mit diesen Worten riefen englische Missionare 1836 zum Spenden auf. Später beruhigten Autoren eines Werkes über Ozeanien die Leserschaft mit den Worten: Der weisse Mensch mundete den Unmenschen gar nicht, da sie einen salzigen, unangenehmen Geschmack besitzen und nach Tabak riechen!


Und jetzt für Perlenliebhaber und Intetessierte:

 


Vor rund 100 Jahren gelang es dem Japaner Kichimatsu Mikimoto die erste erfolgreiche Methode zur Perlenzucht zu entwickeln.
Aus einem einst äusserst seltenen Naturwunder entstand ein ertragreiches Produkt:  Die Zuchtperle
Mit einer Zange wird die Perlenauster etwa 1 cm geöffnet um mit dem Skalpell ein äusserst präzisen Schnitt im Gewebe gemacht. Eine kleine Kugel (gedreht aus einer dickwandigen Süsswassermuschel) wird dann vorsichtig implantiert.
Alsbald beginnt die Muschel den Fremdkörper mit ihrem Sekret zu ummanteln:

Eine Perle entseht

Ach ja, die Muschel akzeptiert keine Plasikkugel!
Eine Perle ist ein Wunder, eine vollkommene Schönheit!

Der Mensch tut nur wenig dazu. Jede Perle verdient Respekt, egal wieviel Wert in Franken oder Dollar wir Menschen ihr geben.

It' s just amazing




 

Tag 6
Auf der Insel Mo'orea mit dem Roller rumfahren macht Spass. Das Opunohu Valley ist grün und wild und nicht vergebens wurde es vor ca. 10 Jahren als Drehort für den Film " Meuterei auf der Bounty" auserwählt.
So passiert es immer wieder,dass ich das Gefühl habe: 

so muss der erste Anblick beim Betreten dieser Insel von den Seefahrern und Missionaren gewesen sein!
Wild, unaufgeräumt, naturbelassen.
Kokosnüsse liegen am Strand und im Wasser..Krabben rennen eilig umher, Palmenblätter und angespülte Meerespflanzen, Muscheln und Korallenstücke liegen in grossen Mengen im zum Teil dunklen (Vulkan) Sand... Wer meilenweite Strandspaziergänge und weissen , reinen Sand sucht, wird hier nicht auf seine Rechnung kommen. 

Die Fruchtbarkeit und Pflanzenpracht jedoch übertrifft sämtliche Erwartungen!
Selbst der Geruch der stetig durch wundervolle Blütenpracht ständig in der Nase ist, wirkt betörend.
Zu meiner zusätzlichen Freude, durfte ich gestern bei einem zahnlosen Frauchen bei einem Strandbeizchen eine wunderschöne Perlenkette erstehen. Natürlich werde ich sie nicht so belassen (sie ist auf schlechtem Faden aufgezogen)
Ich habe da schon eine Idee... 
Die Farben dieser Perlen sind sehr warmtonig (eher selten) und ich werde wahrscheinlich einen Teil davon als Erinnerung für mich persönlich als Halskette gestalten.




 

Tag 7
Geschichte
Nebst Raubbau an den natürlichen Ressourcen (zB. Kahlschlag von Sandelholz auf den Fidschiinseln) brachte der weisse Mensch noch anderes Unheil mit sich:
Vergewaltigungen, Enteignungen von Land, Morde und Sklavenhandel.
In Folge der Kontakte zwischen der einheimischen Bevölkerung und Europäern, waren die von den Weissen eingeschleppten Krankheiten der Grund, dass sich die Einwohnerzahl drastisch dezimierte!
Und jetzt langsam lesen:
Zwischen 1773 und 1803 von rund 200'000 auf 5'000!

Allein auf den Fidschi starben 40'000 Menschen an Masern .
Windpocken, Typhus, Cholera, Syphilis, Tuberkulose, ja gar eine Grippe raffte die Insulaner dahin. Sie hatten keine natürlichen Abwehrstoffe. Und somit waren auch ihre Medizinmänner machtlos zu helfen oder gar zu heilen!
Das war die grosse Chance für die christlichen Missionare, sie waren geübter in den Heilmethoden und konnten so langsam die Inselbewohner von ihrem Gott überzeugen




 

Tag 8
Seit drei Tagen regnet es, und zwar richtig!
Falls es der Sonne gelingt während den kurzen Regenpausen zu erscheinen, wird die Luft tropisch feucht und dick.
Zeit, eine kleine Exkursion zu den Ananas- und Vanilleplantagen zu machen.
Fast alle Früchte wurden irgendeinmal von den Seefahrern importiert.
Die Ananas zum Beispiel kommt aus Brasilien.
Sie ist nicht besonders gross, dafür sehr süss und saftig..
Sie werden hierselbst zu Saft verarbeitet und konsumiert.

Für den Export reicht es nicht.

Nun heisst es packen und Morgen beginnt der lange Flug nach Hause...


In meinem Gepäck:
Wunderbare Perlen, Muscheln , Ideen , Inspirationen, Erinnerungen und Gespräche mir wunderschönen Menschen ( innen wie aussen),
grossem Respekt vor der einst verbotenen Kultur und der spirituellen Kraft ( Mana) der Inselbewohner.


Mauruuru Tahiti....Na Na